Das Cradle to Cradle® Konzept
Die Redewendung „Cradle to Cradle“ beschreibt schlagwortartig die Idee, Produkte und Herstellungsverfahren so zu gestalten, dass die eingesetzten Rohstoffe und Inhaltsstoffe nach Ver- oder Gebrauch nicht zu Müll, sondern zu Nährstoffen werden. Es geht dabei um die Entwicklung hochwertiger, kreislauffähiger Materialien und Güter und um die Umgestaltung von linearen Stoffströmen hin zu hochwertigem Recycling. Das Cradle to Cradle® Prinzip ist angelehnt an das Wirtschaftssystem der Natur, welches auf geschlossenen Kreisläufen basiert. In dem sich alles, was erzeugt wird, als Teil eines Ganzen versteht, das sich gegenseitig nutzt, fördert, verwandelt und von Neuem entstehen lässt, ohne das etwas verloren geht und ohne dass etwas Unverwertbares übrig bleibt.
Vergegenwärtigen Sie sich beispielsweise einen Baum als Produktionsstätte für Blätter. Seine Existenzgrundlage und Rohstoffquelle ist der Nährstoff im Boden. Diesen Rohstoff wandelt er mit Hilfe von Wasser und Sonnenlicht um, und produziert daraus Früchte und Blätter. Fallen die Blätter im Herbst zu Boden, bleiben diese dort nicht als lästiger Baumabfall liegen, sondern dienen als Nährstoff für unzählige Mikroorganismen, welche die Blätter zersetzen, verwerten und sie in Form von Humus wieder an das Erdreich zurückgeben. Dieser Humus wiederum erhält den Nährstoffgehalt des Bodens, welcher gleichzeitig die Nährstoffquelle des Baumes ist. Es entsteht ein perfekter Metabolismus, in dem das Produkt „Blätter“ zirkuliert.
Um dieses Kreislaufprinzip auf unsere Wirtschaft anzuwenden, teilt das Cradle to Cradle® Konzept Produkte in zwei verschiedene Gruppen und zwei verschiedene Kreisläufe ein.
Produkte, die für einen längerfristigen Gebrauch hergestellt werden, wie Automobile, Haushaltsgeräte, Teppiche, Büromöbel oder synthetische Fasern, bezeichnet das Cradle to Cradle® Konzept als Gebrauchsgüter. Ihre Komponenten sind qualitativ hochwertige, auf Beständigkeit ausgelegte Materialien wie Kunststoffe oder Metalle, die durch einen technischen „Nährstoff“-Kreislauf als dynamisches und verbleibendes Gut dauerhaft nutzbar gemacht werden sollen. Für Gebrauchsgüter bedeutet das, die Produkte so zu gestalten, dass die eingesetzten Rohstoffe nach Gebrauch sortenrein und damit ohne Qualitätsverlust zurückgewonnen werden, sodass aus ihnen wieder neue, gleichwertige Produkte entstehen können und ein echter, endloser Materialkreislauf entsteht, der keine Abfälle zurücklässt.
Produkte, die aus abbaubaren Stoffen bestehen oder über eine begrenzte Lebensdauer verfügen, bezeichnet das Cradle to Cradle® Konzept als Verbrauchsgüter. Beispiele hierfür sind Textilien aus natürlichen Fasern, kosmetische Produkte, Nahrungsmittel, Reinigungs- und Waschmittel, Windeln oder Verpackungsmaterialien für den Einweggebrauch. Diese Verbrauchsgüter werden nach Cradle to Cradle® so gestaltet, dass sie als biologischer Nährstoff in den biologischen Kreislauf eingespeist werden können. Hierfür müssen alle Produktkomponenten so ausgewählt werden, dass sie ökologisch sinnvoll und verwertbar sind und damit frei von toxischen Substanzen.
Um Ge- und Verbrauchsgüter nach diesem Prinzip zu gestalten, braucht es eine ganzheitliche Strategie. Im Gegensatz zu derzeitigen Verfahren, die sich bemühen aus Abfällen alles noch Verwertbare herauszufiltern, fordert Cradle to Cradle® deshalb bereits in der Produktentwicklung Parameter wie Kreislauffähigkeit, Ungiftigkeit und Nützlichkeit in den Anforderungskatalog mit aufzunehmen, um Produkte von Anfang an für Nährstoffkreisläufe auszurichten. So gestaltete Produkte können die Rohstoff- und Abfallprobleme zugleich lösen und setzten Mensch und Umwelt keinerlei Risiken durch potenziell schädliche Substanzen aus.
Cradle to Cradle® bedeutet daher, nützliche, vollständig recycelbare oder biologisch abbaubare Produkte und Produktionsweisen von höchster Qualität zu konzipieren und umzusetzen.
Weiter Informationen finden sie unter:
>> EPEA Internationale Umweltforschung
>> MBDC – McDonough Braungart Design Chemistry