Textilchemie
Kleidung soll möglichst lange wie neu aussehen, über eine hohe Farbbrillanz- und Echtheit verfügen, nicht einlaufen, nicht knittern und dabei pflegeleicht und mindestens bei 40 Grad waschbar sein. Um diesen Anforderungen zu entsprechen, werden eine Vielzahl von Chemikalien und künstlichen Substanzen in der Produktherstellung eingesetzt, die die Produkteigenschaften verbessern.
Baumwollqualitäten durchlaufen in der Herstellung vom Bleichen bis zum Imprägnieren bis zu zwanzig verschiedene Stationen. In der Industrie kommen dabei etwa 6.700 chemische Hilfsmittel und Texturen und etwa 4.000 verschiedene Farbstoffe zum Einsatz. Die deutsche Industrie verbraucht jährlich etwa 100.000 Tonnen Textilhilfsmittel, 13.000 Tonnen Farbstoffe und 200.000 Tonnen Basis-Chemikalien wie Soda und Natronlauge. Darunter finden sich auch Chemikalien, die Allergien verursachen oder krebserregend sind.
Die Mehrzahl der eingesetzten Substanzen verbleibt in den Fasern und kann über die Haut in den menschlichen Organismus gelangen. In Europa gibt es deshalb strenge Vorschriften und Grenzwerte für den Einsatz der Chemikalien. Da aber über 90 Prozent der in Deutschland verkauften Kleidung im Ausland produziert wird, wo es keine oder deutlich höhere Grenzwerte für diese Chemikalien gibt und gleichzeitig viele Substanzen Verwendung finden, die hierzulande verboten sind, ist es kaum möglich zu sagen, wie viele gesundheitsschädliche Chemikalien in den importierten Kleidern tatsächlich stecken.
Für das ökologische System stellen diese Substanzen ein ernst zu nehmendes Problem da, welches zum Tragen kommt, wenn unsere Bekleidung unansehnlich- und damit zu Abfall wird. Dann nämlich, können die schädlichen Substanzen in den Kreislauf der Natur gelangen und die geringen Anteile im einzelnen Produkt, summieren sich insgesamt zu großen Mengen. Die Natur kann diese künstlichen Stoffe nicht abbauen und so verbleiben sie im ökologischen System, wo sie sich dauerhaft schädlich auf Pflanzen, Tiere, Böden, Gewässer und damit am Ende auch auf uns Menschen auswirken.